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Leseprobe

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Hier schon mal eine kleine Leseprobe. Ein Appetithäppchen für das Buch....

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Erste Begegnungen in und mit Bad Reichenhall...


Soweit ich mich erinnern kann, führte mich im März 2012 mein Weg das erste Mal in meinem Leben in das Berchtesgadener Land. Ich kann mich allerdings auch täuschen, denn schon immer waren meine Geografiekenntnisse miserabel. So musste ich - ich oute mich - erst einmal googeln , als mich die Einladung eines Berliner Autoren erreichte, ob ich nicht Lust hätte, während seiner Gemeinschaftslesung mit zwei weiteren Autorinnen im Bad Reichenhaller Bürgerbräu Fotos zu schießen. Für Übernachtungsmöglichkeit wäre gesorgt, denn eine der Autorinnen betreibe dort eine Pension. Nicht, dass mir Bad Reichenhall kein Begriff war, ich konnte es nur, wie im Übrigen fast alle Städte, geografisch nicht eindeutig zuordnen. An dieser Stelle ein Hoch auf die Erfindung von Google und Navigationsgeräten.


In Bad Reichenhall angekommen, empfing mich die sympathische Pensionswirtin Anna herzlich, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, das ich mir zunächst nicht erklären konnte. Der Berliner Autor würde oben in der Ferienwohnung schon auf mich warten. Ihr Grinsen wurde sekündlich breiter. Ich betrat die Wohnung, und er begrüßte mich überschwänglich. Als ich mich zaghaft nach meinem Zimmer erkundigte, schaute er mich erwartungsvoll mit großen Augen an und deutete auf eine Seite seines Doppelbettes. Dort ist dein Bett, es gibt kein anderes Zimmer mehr...!

Auch wenn ich die Welt der Künstler und Autoren schon immer sehr mochte, so weit ging die Liebe nun doch nicht. Nicht, dass ich Angst hatte, er könne mir etwas antun, er war mir ja schon von einigen Buchmessen bekannt. Aber angenehm war mir diese Situation nicht wirklich.


Zum Glück hatte sich das Problem aufgrund seines ausgiebigen Konsums diverser alkoholischer Getränke vor, während und nach der Lesung, zunächst erledigt. Er legte sich brav wie ein Säugling nieder und schlief tief und fest. Für mich war diese Nacht allerdings noch lange nicht gerettet, denn die Dezibelzahl seines Schnarchens steuerte unerträglichen Höhen entgegen. Einige Zigaretten und Fotos vom Bad Reichenhaller Mond später musste ich, der Verzweiflung nahe, eine Entscheidung treffen. Ich benötigte dringend Schlaf für die Heimreise am nächsten Tag. Somit verbrachte ich meine erste Nacht in Bad Reichenhall gemeinsam mit einem Kopfkissen, einer Decke und einem flauschigen Vorleger auf dem Boden eines, von mir eigens vorsichtshalber verriegelten, Pensionsbadezimmers.


Am nächsten Morgen erkundigte sich Anna nach meinem Wohlbefinden - wie ich denn geschlafen hätte? Wieder dieses breite Grinsen im Gesicht. Frag mich lieber, WO ich geschlafen habe, nicht WIE! , gab ich ihr zu Antwort. Gemeinsam stellten wir amüsiert fest, dass ich ihr erster Übernachtungsgast war, der den Badezimmerboden dem Bett vorzog, und sie zunächst mein Verhältnis zu dem angereisten Autor falsch gedeutet hatte. So bescherte mir dieser Besuch in Bad Reichenhall einerseits die Erkenntnis, Übernachtungsmöglichkeiten niemals Künstlern zu überlassen. Und was noch viel wichtiger ist: Eine gute Freundin, bis zum heutigen Tag.


Es sollten noch viele weitere Freundschaften folgen. Nicht, dass ich Vorurteile hatte, (oder doch?) aber Bayern ist eben Bayern, und das "Mia san mia" auf dem Fußball-Fanschal meines Sohnes kam mir schon immer etwas suspekt vor. Dank meines schwäbischen Dialektes würden mich die Einheimischen sowieso sofort als Fremdling oder auf schwäbisch Neigschmeckte identifizieren. Einerseits bewundere ich den Stolz der Bayern sehr, andererseits hatte ich fast schon erwartet, dass sie lieber unter sich bleiben würden. Nun, zumindest für Bad Reichenhall traf und trifft das nicht zu. Selten habe ich so viele aufgeschlossene Menschen kennengelernt wie hier und tue es noch immer.


So nahm ich ein Jahr später die Einladung zu der Gemeinschaftslesung wieder an, diesmal allerdings mit vorher abgeklärten Übernachtungsmodalitäten. Was ich damals noch nicht wusste: Es sollte nicht lange dauern, bis ich begann, selbst ein Buch zu schreiben. Als das Werk vollendet war und ich eine geeignete Location für meine erste eigene Lesung suchte, fiel die Wahl auf Bad Reichenhall.


Der Berliner Autor und die schreibende Pensionswirtin Anna waren ebenfalls wieder mit von der Partie. Zudem durfte ich Dank (m)eines findigen, ortsansässigen Mediaberaters mein Buch einen Tag vor der Lesung beim regionalen Radiosender Bayernwelle vorstellen. Zunächst freute ich mich sehr darüber und dachte: Das wird schon...irgendwie! Bis das Radiointerview und der Lesungstermin immer näher rückten und mein Lampenfieber so nach und nach eine Gehirnzelle nach der anderen zu eliminieren schien. Während ich dem Radiomoderator gegenübersaß, der als Profi die Situation problemlos im Griff hatte, spielten sie in meinem Kopfkino gerade den Film Das schwarze Loch . Ich beschloss, gegen meine Aufregung ein beruhigendes Hopfengetränk zu ordern. Obwohl andere das anders sehen, kann ich mein peinliches Gestammel bis heute nicht anhören. Wer in einem Radiointerview bisher nie gefühlte 3.699-mal "ALSO" gehört hat, kann das auf youtube nachholen.

 

Somit habe ich offiziell Boris Beckers ÄH abgelöst.

Am Abend vor einer wichtigen Lesung sollte man sich sinnvollerweise ausruhen, vorbereiten und früh(er) ins Bett gehen. Dies war zumindest der Plan. Wie so oft kam alles anders: Mein erstes Zusammentreffen mit dem Bad Reichenhaller Nachtleben. Geplant war zunächst nur ein gemütliches Essen im Piccolino . Bis dato war mir nicht bewusst, dass diese Stadt ein so spannendes Nachtleben bereithielt, denn die Straßen und Gassen schienen abends zwar nicht gänzlich ausgestorben, aber doch sehr ruhig. An diesem Abend lernte ich wieder neue Freunde kennen und wir folgten ihnen nach dem Essen in das Soundcafe . Ich erinnere mich, dort Getränke konsumiert zu haben, die ein wenig chemischen Experimenten in Reagenzgläsern ähnelten und wäre wohl besser beim bayrischen Bier geblieben. Gemeinsam mit dem Berliner Autoren wurden wir als letzte Gäste am frühen Morgen hinausgekehrt . Was ich zu der Zeit noch nicht wusste: Die Chance, in dieser Stadt um diese Uhrzeit ein Taxi zu erwischen, ist ungefähr so groß, wie in den Alpen einem Gürteltier zu begegnen. Doch wir hatten Glück, zumindest dachte ich dies noch zu diesem Zeitpunkt. Ein Taxi fuhr an uns vorbei, wir winkten, es hielt. Der Berliner stieg ein, knallte die Autotüre zu und ließ mich in der Dunkelheit stehen. Vermutlich ein kleiner Racheakt für meine Entscheidung, diesmal das Parkhotel Luisenbad seiner Künstler-WG vorgezogen zu haben. Somit endete diese Nacht in Bad Reichenhall für mich in einem ausgedehnten Spaziergang, samt wütender Miene quer durch die dunkle Stadt zu meinem gemütlichen Hotel. Ein wenig gruselig war es schon, allerdings hätte mich bei meinem zornigen Gesichtsausdruck nicht einmal ein bayerisches Gespenst belästigt.


Nach ein paar Stunden Schlaf versuchte ich in meinem Hotelbadezimmer mein Gesicht zu retten, beziehungsweise das, was noch zu retten oder zu glätten war. Kann man so dämlich sein, vor einer wichtigen Lesung völlig zu versumpfen? Ja, man (frau) kann Selbst die Kosmetikindustrie und die besten Fotografen kommen an ihre Grenzen, wenn man (frau) übertreibt, was sich dann untrüglich auf Fotografien widerspiegelt Sei es drum, es war trotz allem ein gelungener Abend und eine aufregende Nacht, über die ich besser den Mantel des Schweigens lege.


Oder doch nicht? Apropos Mantel da vergaß doch tatsächlich ein Lesungsgast seinen Mantel samt Hausschlüssel in der bereits abgeschlossenen Lese-Location am Thumsee. In der Hoffnung, einer der Anwohner könne ihm mit einem Zweitschlüssel weiterhelfen, entschied er sich für nächtlichen Klingelputz . Zugegebenermaßen war es, angesichts der unchristlichen Uhrzeit, zu der er die Nachbarn aus ihrer Ruhe riss, keine allzu gute Idee . Aber als mich (als Veranstalter) ein paar Tage später eine E-Mail erreichte, in der mit einer Anzeige wegen Ruhestörung, versuchten Einbruchs und Hausfriedensbruch durch einen meiner Lesungsgäste gedroht wurde war ich zunächst etwas ratlos. Damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet. Glücklicherweise konnte die Akte Randalieren am Thumsee letztendlich mit einer Entschuldigung schnell geschlossen werden.


Spätestens ab diesem Zeitpunkt war mir bewusst: Bad Reichenhall ist immer für eine Überraschung gut!


Im Laufe der kommenden Monate wuchs meine Neugierde stetig an. Welche Geschichten haben diese Stadt und ihre Einwohner zu erzählen? Wo sind Schätze vergraben und Geheimnisse verborgen? Was passierte hier in der Vergangenheit, wo pulsiert das Leben heute und wohin soll die Reise in Zukunft führen?


Es gibt nur einen einzigen Weg, dies alles herauszufinden: Ihn zu gehen! Und alle, die mich hierbei begleiten möchten, nehme ich jetzt gerne mit ...

 

Ihre Andrea Kuritko